31 Dec 2011 @ 17:54, by Herbert J. Schmidt
-einem aufgewecktem Freund, einem jungen Denker und Macher unserer
Zukunft, gewidmet-
Der Mensch erträumt sein Schicksal, sogleich vergisst's er, vergisst,
daß er es war, der's hat getan. Das waer' nicht schlimm, nur macht
er's viele Mal. Am Schluss erkennt er weder Anfang noch das Ende; der
Weg bekommt das Ziel, Erfüllung wird zum Mittel, und das Beginnen
kommt am Schluss.
Nun will sein Geist das eine, die Seele wünscht was andres, und was
die Seele sehnt, das findet kein Verständnis. In tausend Richtungen
wird er gezogen, sein Wille unstet und verwirrt, will heiß und sueß
und reich und freudig, will wuerzigkuehl und kraeftigsanft, will weich
und heftig, und will das Laute leise, will es sofort, was bleibt
ist... ohne Zweifel.
Der Mensch erträumt sein Schicksal, sogleich vergisst's er, vergisst,
daß er es war, der's hat getan. Das waer' nicht schlimm, nur macht
er's viele Mal. Am Schluss erkennt er weder Anfang noch das Ende; der
Weg bekommt das Ziel, Erfüllung wird zum Mittel, und das Beginnen
kommt am Schluss.
In seiner Not befindet er, ein Gott haett' ihn bestraft, ein Lamm muss
her, das Göttliche, so meint er wohl, es will nur Blut - Wenn das
nicht hilft, erfindet er die Teufelsbrut. Die Arbeit deren wird getan,
da's sie nicht gibt, selbst ist der Mann, wer's noch nicht glaubt wird
gleich bestraft, noch besser glatt erschlagen. Der liebe Gott hat's so
gewollt, das ist doch klar, er liebt dich doch, auf seine Weise, ist
das nicht alles... klipp und klar?
Der Mensch erträumt sein Schicksal, sogleich vergisst's er, vergisst,
daßß er es war, der's hat getan. Das waer' nicht schlimm, nur macht
er's viele Mal. Am Schluss erkennt er weder Anfang noch das Ende; der
Weg bekommt das Ziel, Erfüllung wird zum Mittel, und das Beginnen
kommt am Schluss.
Wem's nicht gefällt, und noch viel schlauer, der ruft die Kräfte der
Natur. Selbst wenn es wirkt, was ist das Werk? Was ist getan? was ist
der Rat? Um wieviel bist du weiser? Du wirst ein Meister, ein Idol der
Sklaven, dich selber doch bezwingst du nicht. Der Morgen graut, der
Tag bricht an, und nichts hat sich verändert. Du bist allein auf
deiner Reise, was andre tun ist nur noch...du weisst das schon.
Der Mensch erträumt sein Schicksal, sogleich vergisst's er, vergisst,
daß er es war, der's hat getan. Das waer' nicht schlimm, nur macht
er's viele Mal. Am Schluss erkennt er weder Anfang noch das Ende; der
Weg bekommt das Ziel, Erfüllung wird zum Mittel, und das Beginnen
kommt am Schluss.
So geht der Mensch nach unten, Schritt for Schritt, mit hohem Haupt,
und merkt es nicht. Doch du, mein Freund, bist anders als die andren,
verdienst die Früchte deiner Qual. Im Neuen Jahr, gesegnet sei es,
oder auch verflucht, wer ernsthaft strebt, dem macht das nichts, du
wirst zum Schöpfer deiner Tat! Die Geister die du rufst, wenn du nur
willst, erheben dich in ihre Welt, an deinen Freunden soll man dich
erkennen.
Das Echo der Jahrtausenden, der wahrhaft Weisen und der echten
Meister, schallt wider in den stillen Tiefen, in deiner eigenen Seele,
hab acht und hoer' nicht auf die Toren! Die Götter helfen, aber sind
nicht weise, das Denken ist des Menschen's Tun. Der Weg zum Gipfel
führt durch viele Schluchten, und falls wir uns verlieren sollten, am
Ende werden wir uns sehen. Auch wenn dein Weg ein andrer sei, das hohe
Ziel ist doch dasselbe.
Mein Freund, viel Glück, Erfolg, in diesem Jahr der Weltenwende!
Blumenau, Brasilien
31.12.2011
|
|